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Kontakt

Michael Grabner
Email:michael.grabner@boku.ac.at
Telefon: (0043)(0)1-47654-4268

Arbeitsgruppe für Jahrringanalyse und historische Holzverwendung

Universität für Bodenkultur, Tulln Institut für Holztechnologie und nachwachsende Rohstoffe


Konrad Lorenz Straße 24
3430 Tulln

Dendrochronologie

Die Jahresringe sind eine Eigenheit in gemäßigten Klimaregionen, die sich durch eine jahreszeitlich bedingte Unterbrechung der Vegetationsperiode auszeichnen, in denen kein Wachstum stattfindet. Das zwischen Holz und rinde liegende teilungsfähige Gewebe (Kambium) ist entscheidend für das so genannte sekundäre Dickenwachstum, d.h. durch Teilung werden Holzzellen nach innen und Rindenzellen nach außen abgegeben. Die neu gebildeten Holzzellen werden jeweils an die vorhandenen angelagert. Ein lebender Baum bildet somit jährlich eine vollständige Zellhülle aus, die sich bildlich gesprochen jeweils aufs Neue über den gesamten Holzkörper des Baumes stülpt.

Die Zellstruktur des Holzes der Nadelbäume zeigt einen sehr einheitlichen Aufbau. Nadelholz besteht fast ausschließlich aus Tracheiden, die sich lediglich in Form und Funktion unterscheiden. Die unterschiedliche Dichte des im Frühjahr bzw. Frühsommer gebildeten, hell erscheinenden Holzes (=Frühholz) und des im Sommer/Spätsommer gebildeten, wesentlich dunkleren Spätholz, erlaubt die einfache Erkennung von Jahrringen. Die Zellstruktur der Laubhölzer unterscheidet sich hingegen von den Nadelhölzern vor allem durch das Vorhandensein deutlich sichtbarer Gefäßzellen, durch einen hohen Anteil an Parenchymzellen in Längsrichtung sowie durch festigende Fasern. Dadurch ergibt sich bei Laubhölzern eine höhere Variabilität in der Jahrringstruktur.

Die Mechanismen der Holzbildung sind komplex und werden von Umweltfaktoren beeinflusst, die über verschiedenen Rezeptoren des Baumes einwirken können. Es ist leicht nachvollziehbar, dass Bäume in warmen und regenreichen Sommern besser wachsen als in heißen und trockenen. Solche Witterungsverläufe ergeben unterschiedliche Jahrringbreiten, die dann Teil einer kontinuierlichen Chronologie werden. Viele Einzelkurven einer Region werden synchronisiert, d.h. durch statistische sowie visuelle Vergleiche entsteht eine Mittelkurve, wobei bei ausreichender Anzahl an Proben der Aufbau einer immer weiter zurückliegenden Mittelkurve möglich ist. Zu den Jahrringserien aus lebenden Bäumen kommen Holzproben aus historischen Bauten sowie auch aus archäologischen Grabungen.

Die Datierung einer Holzprobe unbekannten Alters erfolgt, indem die undatierte Jahrringsequenz schrittweise mit vorhandenen Standardchronologien statistisch und visuell verglichen wird. Hohe statistische Signifikanz, hohe visuelle Übereinstimmung sowie Plausibilität in Zusammenhang mit den Ergebnissen parallel gezogener Proben, sind die Grundlage einer richtigen Datierung. Sind an den zu datierenden Holzproben noch Rindenreste („Waldkante“) zu sehen, kann jahrgenau das Fällungsdatum des Baumes ermittelt werden.
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