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Kontakt

Michael Grabner
Email:michael.grabner@boku.ac.at
Telefon: (0043)(0)1-47654-4268

Arbeitsgruppe für Jahrringanalyse und historische Holzverwendung

Universität für Bodenkultur, Tulln Institut für Holztechnologie und nachwachsende Rohstoffe


Konrad Lorenz Straße 24
3430 Tulln

Interpretationshilfe für dendrochronologische Gutachten


Interpretationshilfe – dendrochronologische Datierung

Mit der Dendrochronologie (Jahrringanalyse) ist uns ein Instrument in die Hand gegeben, Holzobjekte jahrgenau zu datieren. So einfach das Prinzip zu verstehen ist, so schwierig ist die praktische Umsetzung. Ein lebender Baum bildet in unseren Breiten jährlich eine Zellhülle aus, die sich bildlich gesprochen jeweils aufs Neue über den gesamten Holzkörper des Baumes stülpt. Ein kalter Winter, ein regenreicher Sommer, beide beeinflussen in verschiedenster Weise das Leben eines Baumes und damit auch sein Wachstum. So wächst eine Tanne in einem warmen und regenreichen Sommer besser als in einem heißen und trockenen. Die Unterschiede lassen sich durch die Messung der Breiten der Jahrringe feststellen. Aus den Breiten der Jahrringe werden schließlich Reihen erstellt, so genannte Chronologien, mit denen dann die Baumringe der Objekte synchronisiert werden.

Regionale Chronologien aus Jahrringbreiten werden aus exakt datierten Jahrringreihen vieler Einzelbäume, aus Einzelproben historischer Bauten sowie aus Holzproben von archäologischen Grabungen erstellt. Die Synchronisation dieser Einzelkurven geschieht durch Vergleich der Jahrringverläufe, wobei bei ausreichender Anzahl an Proben der Aufbau immer weiter zurückreichender Jahrringreihen möglich ist. Die Datierung einer Holzprobe unbekannten Alters erfolgt durch Vergleich mit der erstellten Standardchronologie. Statistische Parameter liefern Hinweise auf mögliche Synchronlagen, welche visuell überprüft werden. Ist an den zu datierenden Holzproben noch Rinde („Waldkante“) zu sehen, kann auf das Jahr genau das Fällungsdatum des Baumes ermittelt werden.

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Bei zu kurzen Jahrring-Zeitreihen kann keine einzigartige Position auf der Referenz-Chronologie gefunden werden, aus diesem Grund werden Proben mit weniger als 30 messbaren Jahrringen als „nicht bearbeitbar“ ausgewiesen. Es sollten jedoch nach Möglichkeit zumindest 50 Jahrringe auf den Proben vorhanden sein.

Bis in die Neuzeit wurde Bauholz saftfrisch verbaut, dieser Umstand ist vielfach durch einen Versatz in den Abbundzeichen bei Trockenrissen bewiesen. Durch die Ermittlung des Fälldatums durch Datierung der Waldkante ist daher auch der Bauzeitpunkt beprobter Gebäude recht eng beschrieben.
Je nach Kontext bzw. Einsatz müssen evtl. Trocknungszeiten (Kunstobjekte, Musikinstrumente), evtl. Handel bzw. Holztransport, Reparaturen sowie Sekundärnutzung mitberücksichtigt werden.

Bei kunsthistorischen Objekten wie Bildtafeln und Skulpturen ist meist keine Waldkante vorhanden. Eine Datierung ist in diesem Falle zwar ebenfalls jahrgenau, bezieht sich allerdings auf den letzten auf dem Objekt vorhandenen Jahrring. Eine Schätzung der durch die Bearbeitung fehlenden Jahrringe bzw. eine Schätzung der Anzahl der Jahre im Splintholz von Eichenholz (soweit Splintholz auf der Probe vorhanden, bzw. erkennbar ist) kann dennoch zu einer relativ genauen Aussage über das Herstellungsdatum des Objektes führen.

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So kann im abgebildeten Fall „C“ (im Bericht mit WK „ja“ bezeichnet, bzw. „nein“) ein eindeutiges Fälldatum ermittelt werden, im Fall „B“ die fehlenden Splintholzringe relativ gut abgeschätzt werden (die mittlere Anzahl von Splintholzringen bei Eichenholz liegt zwischen 10 und 30 Ringen) und im Fall „A“ (im Bericht mit WK „keine“ bezeichnet) ein Datum ermittelt werden, vor dem der Bau/Herstellung nicht stattgefunden hat.

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Im Detail: ist bei einer Probe Waldkante mit „ja“ beschrieben wurde selbige vorgefunden, gemessen und datiert (siehe Probe 03a im Beispieldatensatz). Ist die Waldkante mit „nein“ bezeichnet ist selbige auf der beprobten Objekt vorhanden, konnte allerdings nicht gemessen und datiert werden (siehe Probe 05a). Dieser Fall kann auftreten wenn zwischen Mark und Waldkante eine unbekannte Anzahl an Jahrringen fehlt, meist in Zusammenhang mit einem schlechten Probenzustand, Rissen oder Schädlingsbefall im äußeren Bereich. Das Datierungsergebnis beschreibt somit das Jahr des letzten einwandfrei messbaren Jahrringes, wenn möglich werden die Jahrringe bis zur Waldkante gezählt und angeführt, z.B. „+ min. XY Jahrringe“. Im dritten Fall, „keine“ Waldkante, ist selbige nicht auf der Probe vorhanden und somit weder gemessen noch datiert (siehe Probe 08a). Im Bericht sind außerdem einige statistische Kennwerte zur Datierung angegeben. Mit „Glk“ ist die so genannte Gleichläufigkeit bezeichnet, welche ein Ähnlichkeitsmaß der Kurven darstellt. Generell ist eine möglichst hohe Gleichläufigkeit wünschenswert, je kürzer eine Überlappung der Kurven, desto höher muss die Gleichläufigkeit sein um noch als signifikant angesehen zu werden. Mit TvBP und TvH sind modifizierte t-Werte angegeben. Diese ensprechen einem statistischen Test, ob die Serien zueinander passen.

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Die Sicherheit einer Datierung ist einerseits aus den mit dem Bericht mitgelieferten statistischen Kennwerten abzuleiten, andererseits werden Datierungsergebnisse durch Replikation abgesichert. Aus diesem Grund werden je nach Möglichkeit mehrere Proben je Bauphase/System genommen – ist die Datierungsposition statistisch signifikant, können bei der visuellen Verifikation keine Widersprüche gefunden werden und wird die Datierung durch andere Proben belegt (ergeben sich also auch keine kontextuellen Widersprüche) ist diese als sehr sicher anzusehen.

Aus diesen Gründen, und aus Gründen der besseren Interpretierbarkeit, raten wir zu 8 Proben pro Bauphase eines Objektes (z.B. eines Dachstuhles).